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23.11.2009

Start frei für den Bewerbungsmarathon

 

Florian Busch-Janser

 

Auf die Plätze! Fertig! Los! Die Bundestagswahl gab den Startschuss für viele, die sich nun auf die Suche nach einer „neuen beruflichen Herausforderung“ machen. So entspannt diese Floskel klingt, so gleicht die Praxis doch eher einem Marathon:

 

Bis zur Wahl haben viele Arbeitgeber nur dem Training zugesehen, denn schließlich wollte sich niemand binden, ohne das politische Umfeld zu kennen. Inzwischen steht die neue Regierungskoalition fest, der Einstellungsstopp wird allmählich aufgehoben und das Schaulaufen kann beginnen. Allerdings kann man sich an der Ziellinie nicht gerade über mangelnde Gesellschaft beklagen: Etliche Abgeordnete sind aus dem Parlament geschieden und mit ihnen jeweils zwischen zwei und drei Mitarbeiter. Neun Ministerien haben nicht nur den Minister gewechselt, sondern auch gleich die politische Prägung. Der neue Hausherr bringt nun seine eigene Mannschaft unter, andere müssen aus dem angestammten Team ausscheiden. Auch Institutionen, Verbände und Berater, mit denen die Regierung in der letzten Legislaturperiode noch eng verbunden war, stehen oft nicht mehr im ersten Startblock.

 

Auswirkungen auch in Berater- und Kommunikationsbranche

Ein parteipolitischer Wechsel in einem Ministerium führt auch meist dazu, dass Kommunikationsetats an neue Agenturen vergeben werden. Die Sieger von einst müssen sich nun mangels Auftrag von Mitarbeitern trennen, während die neuen Favoriten einen erhöhten Personalbedarf haben. Manche Verbände verlieren an Einfluss – andere fühlen sich schon jetzt als Gewinner der neuen Koalition. Und auch wenn hier auf breiter Linie Beständigkeit vorherrscht, wird in manchen Unternehmensrepräsentanzen bei der nächsten Personalentscheidung sicher aufs Parteibuch geschaut werden.

 

Karriereplaner müssen „flexibel“ bleiben

Apropos Parteibuch: Im SPIEGEL war zu lesen, dass sich einige ganz gewiefte Ministeriumsmitarbeiter in Aussicht auf einen Wechsel gleich mit mehreren Parteibüchern ausgestattet haben. Ich wage zu bezweifeln, dass sich ein solcher Opportunismus wirklich positiv auf die Karriere auswirkt. Aber tatsächlich erreichen uns in den letzten Wochen vermehrt aktualisierte Lebensläufe. Zwar nicht mit einem Parteiwechsel, aber zumindest mit einer veränderten Schwerpunktsetzung: Hier rutscht das Engagement in der SPD von Seite 2 („Erfahrungen“) auf Seite 3 („Sonstiges“) – dort bekennt sich ein Liberaler zu seinen Wurzeln, die ihm vorher nicht aussagekräftig zu sein schienen. FDPler können ihren Marktwert mangels Angebot sicherlich deutlich steigern, denn nicht nur im Bundestag und in den Ministerien sind deutlich mehr Jobs für Mitarbeiter mit dem richtigen Stallgeruch zu vergeben.

Auch in Verbänden und im Beratungsumfeld hat man in den vergangenen zehn Jahren der FDP-Opposition wenig liberalen Nachwuchs herangezogen. Aber nicht für alle SPD-Anhänger muss Opposition automatisch „Mist“ sein. Die von ihnen im Politikbetrieb – im Parlament, in Partei und Verwaltung – gesammelte Erfahrung im Wettkampf um die Gestaltungsmacht macht sie für viele politiknahe Arbeitgeber durchaus interessant.

 

Etappenweiser Wechsel

Wie beim Marathon zeichnen sich in der Bewerbungsphase verschiedene Etappen ab: Die erste Phase, bei der die Jobs im Parlament vergeben wurden, sollte langsam abgeschlossen sein. In der zweiten Phase beginnt das Stühlerücken in den Ministerien und der Partei. Einige Mitarbeiter wechseln aus der Parteizentrale ins Ministerium, dafür rücken neue Leute auf die freigewordenen Plätze in der Partei nach. Im politischen Umfeld folgen dann erfahrungsgemäß zunächst Verbände mit der Besetzung freier Vakanzen. Wer bis dahin noch nicht zum Zug gekommen ist und auch bei der Bewerbung noch nicht die Puste verloren hat, kann im Schlussspurt noch auf die vergleichsweise großen Umwälzungen in der Beratungsbranche hoffen, die im Rahmen der Neuvergabe von Regierungs- und PA-Etats entstehen. Spätestens im zweiten Quartal 2010 sollten dann aber alle Wechselwilligen im Ziel angekommen sein, denn dann herrscht weitestgehend Bewerbungs-Business as usual.

 

 

 

Literaturempfehlungen zum Thema:

  • www.polisphere.de – Jobs in Politik & Beratung
  • http://jobs.pr-journal.de – Jobs in PR & Kommunikation
  • www.newsroom.de/jobs – Jobs in Medien und PR
  • http://zeit.academics.de/action/av/search/woev?cbId=2 – Newsletter der ZEIT zu Jobs im Öffentlichen Dienst & in Institutionen des Gemeinwesens
  • http://fazjob.net/fuer_bewerber/stellenangebote – Stellenanzeigen der FAZ zu Jobs in Wirtschaft und Verbänden
Bereitgestellt um 00:53 von 1 | Kategorie: Trends | Permalink | Diesen Beitrag per E-Mail senden | Kommentare (0)

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