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Comments > Beiträge > Wenn die Guten die Bösen sind – Solarindustrie, Fairtrade und Alnatura

22.05.2010

Wenn die Guten die Bösen sind – Solarindustrie, Fairtrade und Alnatura
Thomas Zimmerling

Die Mitglieder der Solarbranche gehören zweifelsfrei zu den guten Unternehmen. Sie helfen dabei, den Klimawandel aufzuhalten und unsere Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten. Wir haben hier also einen mustergültigen Fall von Übereinstimmung zwischen unternehmerischen und gesellschaftlichen Interessen. Nicht umsonst genießen Solarunternehmen einen speziell im Vergleich zu traditionellen Energieversorgern guten Ruf in der Bevölkerung. Die Aktivitäten der Solarbranche sind also grundsätzlich positiv zu sehen. Oder?

In jüngster Zeit ist diese Sicht der Dinge ins Wanken gekommen. Grund dafür ist die Debatte um Solarsubventionen. Es ist klar, dass in einem relativ sonnenarmen Land wie Deutschland die Solarindustrie in ihren Anfängen nicht wettbewerbsfähig war und der Förderung durch den Staat und letztlich durch die Verbraucher bedurfte. Mittlerweile stehen Wettbewerbsfähigkeit und Subventionen jedoch in einem klaren Missverhältnis, das die Stromkunden in Euro und Cent auf ihrer monatlichen Stromrechnung ablesen können. Und plötzlich stellt sich in der Subventionsdebatte heraus, dass die Solarindustrie so gar nicht dem Bild der Öffentlichkeit vom David entspricht, der den Atom- und Kohle-Goliaths mit der Solarschleuder entgegentritt.

Manche Solarunternehmen machen Milliardenumsätze, sind börsennotiert, spenden an Parteien und haben Vorstände mit besten Verbindungen zur Politik, denen Financial Times, Zeit oder Handelsblatt ganzseitige Portraits widmen. Hinzu kommt ein schlagkräftiger Verband mit Sitz in Berlin, der auf seiner Webseite http://www.solarwirtschaft.de zwar freimütig Auskunft über seine Lobbyaktivitäten gibt, aber wie jeder andere Verband für alte und neue Privilegien kämpft. Man kann sich schon die Frage stellen, ob die Solarförderung einen ähnlichen Weg gehen wird wie die Schaumweinsteuer. Letztere wurde unter Kaiser Wilhelm zur Finanzierung der Kriegsflotte eingeführt und besteht immer noch. Die Solarindustrie muss also gerade schmerzlich erfahren, was es heißt, vom Liebling der Öffentlichkeit zum Bösen gestempelt zu werden.

Eine ähnliche Erfahrung wie die Solarindustrie macht soeben ein Ökolabel. Wo Fairtrade draufsteht, verlässt sich der Verbraucher auch darauf, dass es sich um fair erzeugte Produkte handelt. Die BBC hat nun aufgedeckt, dass das im Falle von Kakao so nicht immer stimmt. Selbst auf zertifizierten Farmen wurden minderjährige Kinder ohne Bezahlung auf die Plantage anstatt in die Schule geschickt. Das hat in der britischen Ökogemeinde zu enormen Schockwellen geführt und Fairtrade zu einer umfassenden Stellungnahme (nachzulesen unter http://www.fairtrade.net/798.html) inklusive Ankündigung einer Untersuchung veranlasst. Die Verbraucher fragen sich zu Recht, ob sie zu höheren Preisen angeblich fair erzeugte Produkte kaufen, die sie billiger und unter den selben Bedingungen produziert auch sonst wo hätten beziehen können.

Wie gefährlich eine solche Diskussion für „gute“ Marken sein kann, zeigt weiters das Beispiel Alnatura. Das Unternehmen führt nicht nur die Fairtrade-Produkte, sondern bezahlt auch Mitarbeiter teilweise unter Tarif. Fast alle überregionalen Medien berichteten ausführlich über den Fall. Alnatura reagierte innerhalb kürzester Zeit mit der Ankündigung, alle Mitarbeiter zukünftig nach Tarif zu entlohnen. In einer Reihe mit Lidl, Schlecker und Co. zu stehen, war den Verantwortlichen dann wohl doch zu heikel.

All diese Fälle verdeutlichen, dass auch die Guten und die Ökos irgendwann im Mainstream ankommen – mit all den damit verbundenen Diskussionen und Problemen. Das gilt für das Verhältnis zu Öffentlichkeit und Politik wie die Position zu Lobbying. Grünen-Politiker geben mittlerweile offen zu, dass sie mit Lobbyisten jeglicher Couleur Umgang pflegen: Nicht nur die Solarbranche findet Einlass, sondern ganz genauso auch die Hochfinanz aus dem Frankfurter Bankenviertel. Den Grünen hat das nicht geschadet. Mal sehen, wie es Unternehmen und NGO’s ergeht.

Bereitgestellt um 21:01 von 1 | Kategorie: Compliance | Permalink | Diesen Beitrag per E-Mail senden | Kommentare (0)

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